Shim Sham für alle!

Der „Shim Sham“ ist der große Klassiker des Steptanz-Repertoires. Er wird auf der ganzen Welt getanzt und jeder Steptänzer kennt ihn. Oft wird er auf Jam Sessions und sogar auf großen Festivals als gemeinsames Finale getanzt, einfach weil es die einzige Nummer ist, die immer alle können.  Auf Youtube findet ihr jede Menge Videos. Eines, das mir gut gefällt, kommt vom Hamburger Steptänzer und -dozenten Thomas Marek, der den Shim Sham mit der gesammelten Schülerschaft seiner Steptanzschule Footprints tanzt:

Als Choreographie ist der Shim Sham einfach, aber genial. Er ist sogar so einfach, dass man ihn bereits als Anfänger lernen kann, was vielleicht einen Teil seines Erfolgs ausmacht. Der Tanz ist 32 Takte lang und besteht aus vier Teilen zu je acht Takten. Damit folgt er dem klassischen Aufbau eines Jazz-Standards in AABA Form. Alle Quellen geben Leonard Reed und Willie Bryant als Choreographen an und das stimmt sicherlich, aber ich habe den Verdacht, dass damals viele Swing- und Steptänzer heftig voneinander abgeschaut haben, denn man findet ähnliche Schritte in verschiedenen Zeitzeugnissen. In dieser Filmchoreographie von Bill Bojangles Robinson und Jeni LeGon, sind einige Elemente des Shim Sham wiederzuerkennen:

In der Swingtanz-Szene gibt es auch einen Shim Sham, der der gesteppten Version sehr ähnlich, aber doch anders ist. Hier zeigt Altmeister Frank Manning zusammen mit Erin Stevens, wie die Swing-Tanz-Version des Shim Sham getanzt werden soll:

Es ist nicht überraschend, dass einige unterschiedliche Versionen des Shim Sham in Umlauf sind. Eigentlich kann jeder machen, was er will, solange es ungefähr zur eigentlichen Bewegungsidee und dem Groove passt. Ich will versuchen, die gängigsten Varianten zu zeigen, aber man möge mich bitte auf nix festnageln. Im Prinzip habe ich auch bloß über die Jahre das ein oder andere aufgeschnappt und verkaufe es jetzt als reine Lehre…

Zur Sache.

Als erstes lohnt es sich, den Break zu lernen, denn der kommt immer wieder:

Dieser Break kommt (fast) immer in den Takten 7 und 8 jedes Formteils, also an Stelle der vierten Wiederholung, so wie es sich für einen Break gehört. Der erste Schritt plus Break sieht so aus:

…und einmal langsam:

Achtung: wer diesen Schritt auf die „Eins“ beginnt, blamiert sich! Der Schritt beginnt auftaktig auf die „Vier“, bzw. – wenn ihr gewohnt seid, von eins bis acht zu zählen – auf die „Acht“.

Wenn man bei diesem Schritt die Brushes weglässt und immer nur Stomp-Step tanzt, hat man eine sehr einfache Version, die auch Einsteiger sofort tanzen können:

Anstatt der „flachfüßigen“ Stomp-Brush-Steps kann man auch Shuffle-Step oder Scuffle-Step tanzen. Mit Shuffle beispielsweise wäre es so:

Hier muss ich etwas zur Phrasierung sagen, denn die langsamen Videos sind sonst irreführend: der Shim Sham wird grundsätzlich zu Swing Musik und meist ziemlich schnell getanzt. (180 bpm aufwärts, würde ich sagen…) In diesem Tempo entspricht es dem Stil der alten Filme, die Schritte „gerade“ zu phrasieren, auch wenn die Musik swingt. Das Video von Bojangles am Anfang dieser Seite ist ein gutes Beispiel. Ich mache das auf dem Video oben auch so vor. Wenn man den Shim Sham zu deutlich langsamerer Swing-Musik tanzt, müsste man die Phrasierung anpassen und die Schritte mit geswingten Achteln tanzen. Hier zeige ich den Unterschied zwischen der „geraden“ (binären) und „geswingten“ (ternären) Phrasierung am Beispiel des ersten Schrittes:

Der zweite Schritt

Die klassische Variante dieses Schrittes geht so:

Und langsam:

Die Heels kann man – wie immer – auch durch Hops ersetzen, dann hat das ganze etwas mehr Bewegung:

Bei diesem Schritt gibt es eine Kuriosität: alle Welt tanzt diesen Schritt so wie alle anderen Schritte des Shim Sham auftaktig, also so, dass er bereits auf der Vier des vorigen Taktes beginnt. (Oder auf die „Acht“, je nachdem wie man zählt.) Nur Leonard Reed, der Erfinder höchstselbst, macht es anders: er besteht darauf, dass dieser Schritt auf die „Eins“ getanzt werden soll. Wenn man das macht, muss man am Ende ein bisschen was abschneiden, um rechtzeitig in den nächsten Schritt zu kommen, der dann wieder auftaktig beginnt. Der Schritt wird ansonsten nicht verändert. Er verändert nur seine musikalische Wirkung, weil er an einer anderen Position im Takt platziert ist. Weil das eigentlich nur im Kontext richtig begreifbar wird, beginne ich im folgenden Video mit dem ersten Schritt ordnungsgemäß auf die 4, lasse dann einen Schlag Pause, um den zweiten Schritt auf die 1 zu beginnen und zeige dann noch den Übergang in den dritten Schritt:

Sicherheitshalber nochmal langsam:

Schritt 3: Tack Annie

Damit ist der dritte Schritt auch schon gezeigt:

Auch bei diesem Schritt kann man die Brushes weglassen und erhält dann eine sehr anfängerfreundliche Version:

Schritt 4: Half Break

Und der letzte Schritt dieser Choreographie:

…und auch das langsam:

Das ist eigentlich alles. Den letzten Break kann man durch „Shave and a haircut“ ersetzen, um klar zu machen, dass jetzt wirklich nichts mehr zu erwarten ist. Das kann man so tanzen:

alles!

Der ganze Tanz ist schnell vorbei. Für’s Finale eines großen Festivals ist das ein bisschen dünn. Man tanzt die ganze Sache deshalb meistens gleich zweimal und bleibt beim zweiten Durchgang immer da, wo eigentlich der Break hingehört, still stehen. (Irgendeiner verpennt das immer. meistens ich.) Hier also alles mit „Stop Chorus“ und Shave-and-a-haircut am Ende:

Und zuletzt eine langsame Version mit den vereinfachten Schritten für Anfänger:

Das war’s. Viel Spaß beim Tanzen!
Sebastian

P.S.: Ein paar weiterführende Infos findet ihr auf Wikipedia.