Groove Training #8: Kanons

Bei einem Kanon entsteht Mehrstimmigkeit dadurch, dass mehrere Musiker das genau gleich Stück zeitversetzt vortragen. Berühmte Beispiele sind Volkslieder wie “Froh zu sein bedarf es wenig” oder “Bruder Jakob”. Diese Lieder sind zunächst einfach und eingängig, aber dadurch dass die einzelnen Sänger um ein oder zwei Takte versetzt anfangen, entsteht ein komplexerer, vielstimmiger Gesamtklang.

Rhythmische Kanons sind eine gute Übung für präzises Time. Dabei wird nicht nur die eigene Präzision geschult, sondern auch die Wahrnehmung und Interaktion mit den anderen Musikern, was im echten Leben natürlich sehr wichtig ist. Besonders einleuchtend für solche Übungszwecke sind Kanons, bei denen sich die Einzelstimmen so ergänzen, dass ein klarer und leicht verständlicher Gesamtklang entsteht, beispielsweise eine durchgehende Kette von Achtelnoten ohne Pausen.

Man kann sich endlos komplexe Kanons ausdenken, aber die Beispiele dieses Online-Workshops sind relativ einfach: alle sind zweistimmig und die beiden Stimmen ergänzen sich im Gesamtklang immer zu einer durchgehenden Kette von Achteln, Triolen oder Sechzehnteln.

Logischerweise braucht man für einen zweistimmigen Kanon auch zwei Personen oder zwei Gruppen, die das gemeinsam machen. Wer lieber zuhause üben möchte, kann die Audioaufnahmen als Partner nehmen, die ich bei den einzelnen Übungen zum Download bereitgestellt habe.

Ich nehme den Kanon 1 als Beispiel, unten gibt’s dann noch weitere. Der Rhythmus des Kanons 1 ist:

Groove Training Sebastian Weber: Kanon 1

Und für die Nicht-Notenleser wieder als Grafik:

Groove Training Sebastian Weber: Kanon 1 als Grafik

Und so geht’s:

1
Lerne den Rhythmus auswendig und klatsche ihn als Endlosschleife. Wenn Dir das schwer fällt, benutze die „Hands-and-Feet“ Methode aus dem ersten Online-Groove-Training. Wenn’s klappt, klingt der Rhythmus so:

2

Die eine Gruppe beginnt den Rhythmus zu klatschen, die andere setzt zwei Takte später ein. Das ist da, wo in der Grafik das Sternchen steht. In diesem Fall also genau nach der Hälfte der Rhythmusschleife. Jetzt sollte das Klatschen beider Gruppen so ineinander greifen, dass eine durchgehende Kette von Achteln zu hören ist. Hier das Audiobeispiel:

Und so klingt Kanon 1 etwas schneller:

Tempo 140 zum Üben:

Tempo 140 mit der zweiten Stimme:

Das ist schon alles.

Ein paar Tipps noch:

Obwohl die Übung schnell erklärt ist, ist sie oft schwerer auszuführen als gedacht. Wenn es nicht perfekt klingt, versucht auch die Lautstärke und Tonhöhen des Klatschens so aufeinander abzustimmen, das ein guter Gesamtklang entsteht.

Oft hilft es, sich dem Partner genau gegenüber zu stellen, um auch optisch nachvollziehen zu können, wie die Klatscher sich ergänzen: immer wenn der eine nicht klatscht, tut es der andere.

Im Zweifelsfall sehr langsam üben und dann das Tempo steigern!

Wenn alles nichts hilft, kann man die Nuss knacken, indem man die Pausen zwischen den Klatschern mit der Stimme oder mit Schritten auffüllt. Wenn man das dann im Kanon macht, entsprechen die Schritte der einen Gruppe genau dem Klatschen der anderen und man hat eine gute Kontrolle, ob die beiden Teile korrekt ineinander greifen.

Okay. Mehr gibt’s dazu nicht zu sagen. Hier sind noch ein paar andere Vorschläge für weitere, zweistimmige Kanons:

Kanon 2

In Noten:
Groove Training Sebastian Weber: Kanon 2

Als Grafik:

So klingt der Rhythmus als Endlosschleife mit Metronom:

…und so klingt der Kanon dann zweistimmig:

Kanon 3

In Noten:
Groove Training Sebastian Weber: Kanon 3

Als Grafik:
Groove Training Sebastian Weber: Kanon 3 als Grafik

So klingt der Rhythmus als Endlosschleife mit Metronom:

…und so klingt der Kanon dann zweistimmig:

Kanon 4

Die folgenden drei Kanons sind triolisch:

In Noten:
Groove Training: Kanon 4

Als Grafik:
Groove Training: Kanon 4

So klingt der Rhythmus als Endlosschleife mit Metronom:

…und so klingt der Kanon dann zweistimmig:

Kanon 5

Dieser Kanon beginnt mit dem Rhythmus der kubanischen 6/8-Clave.

In Noten:

Als Grafik:
Groove Training: Kanon 5 als Grafik

So klingt der Rhythmus als Endlosschleife mit Metronom:

…und so klingt der Kanon dann zweistimmig:

Kanon 6

Dieser Kanon beginnt mit einer Version des spanischen Buleria-Rhythmus in triolischer Auffassung (was nicht dem spanischen Original entspricht. Da würde man es korrekter als 12/8-Takt notieren.).

In Noten:
Groove Training: Kanon 6

Als Grafik:
Groove Training: Kanon 6 als Grafik

So klingt der Rhythmus als Endlosschleife mit Metronom:

…und so klingt der Kanon dann zweistimmig:

Das war’s.

Schöne Grüße & viel Spaß beim Üben.

Freue mich über Feedback.
Sebastian