Groove Training # 5: Clave

Hier kommt eine weitere Übung aus der „Hands & Feet“ Serie.

Claves sind zentrale Schlüsselrhythmen der kubanischen Musik und eine ganze Grammatik komplexer Grooves orientiert sich daran. Auch wenn die Clave selbst manchmal nicht zu hören ist, synchronisieren sich alle Musiker der Band am gemeinsamen Verständnis der zugrunde liegenden Clave. Aber auch außerhalb Kubas ist die Clave wichtig. Ich finde, sie hat eine stilprägende Bedeutung im Bossa Nova, auch wenn sie dort weniger „streng“ durchgehalten wird, als in den kubanischen Formen. Im Latin Jazz wird die Clave ständig zitiert, mal mehr, mal weniger deutlich. In der west-afrikanischen Musik ist eine etwas anders aufgefasste Version der Clave von großer Bedeutung. (Wahrscheinlich ist die afrikanische Version die ursprüngliche Quelle der weltweiten Verbreitung…)

Und man hört sich auch immer mal wieder in Pop und House Grooves, wo sie nicht wie in der kubanischen Musik als alles-organisierende Idee im Hintergrund pulsiert, sondern einfach für ihre eigene musikalische Kraft über die Pop-Grooves gespielt wird. Denn auch ganz unabhängig von ihrer Bedeutung in den verschiedenen musikalischen Traditionen der Welt, klingen die Claves einfach gut. Es sind perfekte Rhythmusschleifen und wer Rhythmik studiert, kommt auf keinen Fall an Claves vorbei.

Ich zeige die Übung exemplarisch an der Son Clave und stelle am Ende noch ein paar wichtige Alternativen vor, mit denen man vertraut sein sollte. Wenn man eine erstmal richtig gut gelernt hat, sind die anderen auch relativ schnell begriffen.

Man kann die Son Clave in Noten so notieren:

Für Nicht-Notenleser habe ich wieder eine schicke Grafik. Die dunklen Kästchen sind die „klingenden Pulsschläge“, also zum Beispiel die Klatscher. Die weißen Kästchen sind stumm, also Pausen. Die Zahlen zeigen, wie man den Rhythmus zählt.

Das ist die Son Clave. Und hier kommt, was wir damit machen:

1
Stelle das Metronom auf ein langsames Tempo wie etwa 80 bpm. Wenn sich das als zu schnell erweist, noch langsamer.

2
Mache auf jeden Metronomklick einen Schritt. Der Schritt soll nicht laut oder „gesteppt“ sein, sondern einfach nur bequem und entspannt das Tempo markieren. Allerdings sollen die Schritte während der ganzen Übung höchst präzise den Metronomklick treffen.

3
Singe lange Töne über die Dauer von je vier Metronomklicks. Dadurch gruppierst Du also die Pulsschläge zu Vier-Vierteltakten. Alternativ kannst Du auch laut zählen. Das hilft vielleicht. Sobald der Rhythmus sitzt, finde ich es aber besser zu singen.

4
Klatsche jetzt mit den Händen den Rhythmus der Übung, während Du ganz entspannt und regelmäßig weiter läufst und singst. Je nach musikalischer Erfahrung gelingt nicht sofort der ganze Rhythmus. Beginne dann nur mit dem ersten Klatscher und übe das, bis es sich völlig entspannt anfühlt. Dann fügst Du den zweiten Klatscher dazu, und so weiter.

Wichtig ist, dabei immer die Dauer des gesamten Rhythmuses zu beachten. Wenn der Rhythmus insgesamt zwei Takte lang ist und mit einem Klatscher auf die “Eins” beginnt – wie in unserem Fall -, musst Du auch tatsächlich immer zwei Takte lang auf den Puls laufen, bevor Du wieder diesen ersten Klatscher machst, auch wenn Du Dich zwischendurch langweilst. Wichtig ist auch, das Verhältnis von Klatschern zu Schritten bewusst wahrzunehmen und körperlich präzise auszuführen. Die Klatscher sind entweder genau synchron zum Schritt oder genau zwischen zwei Schritten. In Noten sieht das so aus:

5
Wenn der komplette Rhythmus steht, klatsche präzise weiter und reduziere die Schritte so, dass Du nur noch auf jeden zweiten Metronomklick einen Schritt machst. (Auf die 1 und die 3.) Der Rhythmus fühlt sich dadurch ganz anders an.

Wenn das zu schwierig ist und der Rhythmus zusammenbricht, baue den Rhythmus über das langsame Gehen neu auf, indem Du zuerst nur den ersten Klatscher übst, dann die ersten zwei, und so weiter. Am Ende klingt es so:

6
Wechsle zwischen dem Gehen auf jeden Metronomklick und dem Gehen auf jeden zweiten Metronomklick hin und her. Der geklatschte Rhythmus darf dabei nicht wackeln.

7
Höre ganz auf zu gehen und klatsche weiter präzise den Rhythmus. Auch das Singen geht munter weiter. Dann wieder loslaufen.

8
Jetzt wird die Sache umgedreht: Klatsche jeden Metronomklick und laufe mit den Schritten den Rhythmus. Notfalls wieder Schritt für Schritt aufbauen.

9
Klatsche nur noch auf jeden zweiten Metronomklick (1 und 3), während der Rhythmus in den Füßen unbeirrt weiterläuft.

10
Wechsle zwischem dem normalen Klatschen und dem Klatschen auf jeden zweiten Klick hin und her, während die Füße fröhlich weitergrooven.

11
Lass das Klatschen für die Dauer von zwei oder vier Takten weg, so dass nur noch der Rhythmus der Füße zu hören ist. Steig dann wieder mit dem Klatschen ein.

12
Übe das alles auch ohne Metronom und in verschiedenen Tempi.

Im Schnellverfahren sieht man auf diesem Video die verschiedenen Varianten:

So weit, so gut. Wer es bis hierher geschafft hat, kann reinen Gewissens aufhören. Es gibt aber noch ein interessantes Phänomen, das man beim Thema Clave nicht auslassen darf. Wie alle Rhythmen ist auch die Clave eine „Endlosschleife“, sie wird also ständig wiederholt. So gesehen ist die grafische Darstellung auf einer Notenlinie und die Art, den Takt immer von Eins bis Vier zu zählen vielleicht nicht perfekt, weil sie suggeriert, der Rhythmus finge bei der Eins an und höre bei der Vier auf. Theoretisch korrekter – aber reichlich unpraktisch – wäre, den Rhythmus kreisförmig zu notieren. Meine schöne Grafik vom Anfang sähe dann so aus:

Man beginnt also oben am Kreis (sozusagen auf „zwölf Uhr“) und fährt dann im Uhrzeigersinn weiter. Immer wenn man einem dunklen Kästchen begegnet, wird geklatscht.

Die Darstellung im Kreis legt nahe, dass man auch an einer anderen Stelle in diesen Kreisverkehr einsteigen könnte. Der Rhythmus wäre immer noch genau derselbe. Aber dadurch, dass wir an einer anderen Stelle begonnen haben, würde der Rhythmus anders wirken! Dieses Prinzip gilt für alle Rhythmen. Im Fall der Claves ist es aber von besonderer Bedeutung, weil es zur oben geübten Version der Clave eine weit verbreitete Alternative gibt: und zwar steigt man da nicht „auf zwölf Uhr“ in den Kreis ein, sondern am genau gegenüberliegenden Punkt unten im Kreis. Praktischerweise haben wir den Rhythmus auf eine Art gezählt, in der auch am unteren Punkt des Kreises eine „Eins“ steht. Wir müssen den Rhythmus also nur auf „der anderen Eins“ anfangen. Übersetzt man diese Idee wieder in die gebräuchliche lineare Notation, ergibt sich folgendes:

Was vorhin die erste Hälfte war, ist jetzt also die zweite. Obwohl es eigentlich der gleiche Rhythmus ist, fühlt er sich völlig anders an. So sehr, dass es sich lohnt, die ganze Übung auch in dieser Version zu machen!

Um die beiden Versionen zu unterscheiden, hat sich übrigens eine simple Bezeichnung durchgesetzt. Die erste Version wird 3-2 Clave genannt. Einfach deshalb, weil in der ersten Hälfte der Clave 3 Akzente vorkommen und in der zweiten Hälfte zwei. Die andere Version heißt dann logischerweise 2-3 Clave. Ich habe mir sagen lassen, dass diese Unterscheidung in Kuba keinen Menschen interessiert, aber im Rest der Welt ist sie gebräuchlich. Die oben beschriebene Übung mit der 2-3 Son Clave sieht in Kurzform also so aus:

Zuletzt stelle ich noch zwei andere wichtige Claves vor: die Rumba Clave und die Bossa Clave. Die Rumba Clave unterscheidet sich von der Son Clave nur an einer Stelle: Der letzte Ton des ersten Taktes (in der 3-2 Version gerechnet) ist um ein Achtel nach hinten verschoben. Auch die Bossa Clave unterscheidet sich nur in einem einzigen Ton von der Son Clave. In diesem Fall ist der letzte Ton des zweiten Taktes um ein Achtel nach hinten verschoben. Hier die drei Claves im Vergleich:

Und für Nicht-Notenleser nochmal mit Zähl-Hilfe:

Möglicherweise könnten sich Puristen daran stören, dass ich hier von einer „Bossa Clave“ spreche, weil diese Clave natürlich nicht in der kubanischen Musik vorkommt, sondern im brasilianischen Bossa Nova und weil sie dort auch nicht eine so komplexe Funktion hat, wie die Claves im kubanischen Original. Es stimmt auch, dass sich beispielsweise Jazz-Schlagzeuger alle möglichen Freiheiten im Umgang mit der Bossa Clave nehmen, während sich die kubanischen Kollegen das nicht erlauben. Ich finde es aber sehr hilfreich, mit der Bossa Clave vertraut zu sein. Wenn man seinen Steptanz an dieser Rhythmik orientiert und nicht zu doll draufhaut, hat man sofort ein gutes Bossa-Feel.

Alle drei Claves – Son, Rumba und Bossa – kann man „umdrehen“ und auch als 2-3 Clave spielen. In Noten also:

Genug für heute.

Schöne Grüße & viel Spaß beim Üben.
Sebastian

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Sebastian Weber