Groove Training #4: Move a Move

Diese Übung ist eine naheliegende Erweiterung des Groove Trainings #3 und eine einfache, aber sehr effiziente Trainingsidee mit direktem Bezug zur Steptanz-Praxis. Die Idee ist, einen Schritt oder ein kleines Tanzmotiv an sich unverändert an verschiedenen Positionen im Takt zu tanzen. So geht’s:

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Nimm dir einen einfachen Steptanz-Schritt und eine dazu passende Musik. Die Musik sollte nicht zu schnell sein und so klingen, dass du immer gut hörst, wo der Beat und wo die Eins ist. Für das Videobeispiel habe ich den Shim-Sham-Break verwendet. Der Shim-Sham-Break wird traditionell schon vor Beginn des Taktes, nämlich auf die “Vier” des vorangegangenen Taktes begonnen. Mit dieser “normalsten” Version fängst du an.

Es ist unbedingt wichtig, die einzelnen Beats und das Verhältnis des getanzten Schrittes zum Beat ganz bewusst wahrzunehmen. Damit meine ich, dass du beim Tanzen genau merkst, welcher der Steptöne auf die “Eins” fällt, welche auf die anderen Beats und welche Steptöne zwischen die Beats – also auf die Off-Beats – fallen. Wenn Dir das schwer fällt, solltest die die einzelnen Viertel laut zählen und dein Zählen, das Tanzen und die Musik perfekt synchronisieren. Falls das nicht klappt, wähle eine langsamere Musik und/oder einen einfacheren Tanzschritt. Wenn Du nicht in der Lage bist, das Verhältnis vom Schritt zu den einzelnen Beats des Taktes präzise wahrzunehmen, ist die Übung nicht nützlich und sollte vereinfacht werden.

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Als nächstes verschiebst du den kompletten Tanzschritt um einen Beat “nach hinten”. Wenn ich also den Shim-Sham-Break bisher auf die “Vier” begonnen habe, tanze ich ihn jetzt auf die “Eins”.

Wiederhole den Schritt so oft, bis er sich an der neuen Position ganz natürlich und entspannt anfühlt. Du wirst sehen, dass der Schritt dadurch ganz anders klingt! Tatsächlich kann sich die Wahrnehmung einer musikalischen Idee durch den simplen Trick einer anderen Platzierung im Takt so stark verändern, dass diese Idee vom Zuhörer gar nicht wiedererkannt wird!

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Sobald du mit dem neuen Klang und Tanzgefühl des Schrittes vertraut bist, schiebe ihn wieder um einen Beat nach hinten und dann wieder, bis du es auf allen Beats des Taktes einmal ausprobiert hast.

Hier siehst Du das alles auf Video:
(Um keine Konflikte mit der GEMA zu kriegen, mache ich die Übung nicht zu Musik, sondern zu einem einfachen Swing-Loop aus meinem Computer…)

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Bis dahin ist das eine sehr gute Übung und man könnte jetzt guten Gewissens Schluss machen. Wer sich noch mehr herausfordern möchte, hat aber natürlich auch noch die Möglichkeit, einen Schritt um kleinere Einheiten als ganze Beats zu verschieben. Die Veränderung von Tanzgefühl und Klang des Schrittes werden dann noch heftiger.

Damit das funktioniert, musst du zunächst bewusst wahrnehmen, auf was für einer Art von Unterteilung das Musikstück basiert, zu dem du tanzt. Ist es ein binärer Groove, also einer, der den Grundpuls in gerade Achtel oder Sechzehntel unterteilt? Oder ist es ein ternärer Groove, der den Grundpuls in Triolen aufsplittet, so dass Du “Eins und e Zwei und e Drei und e…” zählen würdest?

Technisch und musikalisch am einfachsten ist es zunächst, die Übung mit einem Achtelgroove zu machen, also zum Beispiel mit einem Bossa. “O Que Sera?” in der Version von Till Brönner & Vanessa da Mata ist zum Beispiel ein Titel in bequemem Tempo, bei dem man den Beat klar hört. Als nächstes brauchst du einen Schritt, der zu dieser Art Groove passt. Der Shim-Sham-Break, mit dem ich den ersten Teil der Übung gemacht habe, ist hier nicht so gut geeignet, denn er swingt und beruht also eher auf einer triolischen Unterteilung, auch wenn die Triolen nicht „durchgeklappert“ werden. Der erste Schritt des Shim-Sham wäre dagegen gut geeignet, wenn du ihn mit geraden Achteln tanzt, also nicht swingst. Natürlich geht auch jeder andere Schritt, der musikalisch gut zu deiner Musik passt.

Nun verschiebst du deinen Schritt nach demselben Prinzip wie zuvor immer ein bisschen weiter nach hinten, allerdings jetzt immer nur um ein Achtel. Wenn du den Schritt also zuerst auf die “Eins” begonnen hast, tanzt du ihn als Zweites auf die “Und” nach der “Eins” …und so weiter.

In meinem Videobeispiel habe ich einfach Shuffle-Step-Step-Step genommen, und zwar so gezählt: Eins und Zwei, Drei, Vier. Hier ist die ganze Übung:

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Dasselbe funktioniert natürlich ebensogut mit triolischen Schritten, die du dann immer um ein Triolenachtel verschiebst und mit Schritten für Sechzehntel-Grooves, die dann immmer um ein Sechzehntel verschoben werden.

Und es ist natürlich auch möglich, Schritte mit geswingten Achteln zu verschieben. Hier ändert sich allerdings das Tanzgefühl besonders stark und der Schritt muss oft sogar technisch etwas anders ausgeführt werden, weil durch die leichte Verzögerung des Swing Off-Beats auf einmal Shuffles und Flaps “auseinander geschnitten” werden, wenn man sie um ein Achtel verschiebt. Interessanterweise bemerkt man dadurch oft per Zufall, dass ein “verschobener” Schritt viel besser swingt als sein Original. Das zu erforschen ist aber schon wieder Thema eines eigenen Workshops…

Der Vollständigkeit halber mache ich hier nochmal vor, wie es aussieht, wenn man einen Schritt immer um ein Triolenachtel weiter nach hinten verschiebt:

Das war’s dann mal wieder.
Viel Spaß beim Üben
Sebastian