CABOOM – neuer zeitgenössischer Steptanz

Gut sieben Jahre nach den preisgekrönten GROOVE JOURNALS — und nach aufregenden Ausflügen in Kombinationen mit Film und Schauspiel — komme ich mit der nächsten Produktion zurück zum „reinen“ Steptanz und choreographiere wieder für ein Ensemble aus Tänzern und Musikern.

Dabei kann ich neue Ideen anwenden, die mir vorkommen wie der Stein der Weisen für meine choreographische Arbeit, nämlich die Methoden, die ich unter dem Titel CABOOM bereits in einigen Workshops unterrichte und begeistert weiterentwickle.

CABOOM

CABOOM begann als Rechercheprojekt, in dem ich zusammen mit der fantastischen Kollegin Janne Eraker zunächst ganz „privat“ und sehr experimentell nach neuen visuellen Ideen für klingenden Tanz suchen konnte. Dabei fiel mir auf, dass es im Steptanz gar kein Vokabular für die tänzerische „Organisation“ des Körpers gibt. Unsere Begriffe beschreiben die Fußperkussion, aber ob wir bei einem Shuffle Ball-Change nach links oder rechts gehen, hinten oder vorne überkreuzen, drehen oder in der Nase bohren ist völlig offen. Meistens würden wir uns einen Schritt eher gegenseitig vorsingen als die Bewegung zu erklären. Das ist im Sinne der Jazztradition völlig ausreichend, oder sogar besser, weil die individuellen Unterschiede ja gerade interessant sind. Aber wenn man im Ensemble eine gemeinsame visuelle Sprache entwickeln möchte, stößt man schnell an die Grenzen!

CABOOM setzt bei einer Analyse der funktionalen „Logik“ choreographierter Sequenzen an und prüft zunächst, welche Parameter für die Bewegung wichtig sind: Gewicht und Schwerkraft natürlich, aber auch die axiale Koordination, Balance, Schwung und Fliehkräfte… Wie verhalten sich Arme und Beine zueinander? Welche Körperteile initiieren eine Bewegung, welche folgen? Welche Potentiale sind ungenutzt und welche individuellen Unterschiede gibt es?

Allein der Blick auf diese funktionalen Merkmale setzt unmittelbar gestalterische Möglichkeiten frei: die Tänzer bewegen sich raumgreifender und dynamischer!

In einem zweiten Schritt testet CABOOM, wie weit sich das Vokabular des Steptanz verändern und erweitern lässt. Dabei arbeite ich 2017 mit einer Reihe von Experten aus zeitgenössischem Tanz, Bewegungsanalyse und Dramaturgie zusammen. Peer-Learning, Methodentransfer und Trial & Error sind die Schlüsselstrategien. Zeitgenössische Choreographen regen Veränderungen am Steptanz an, fügen Gesten und thematisch motivierte Bewegungen hinzu, nehmen die Körpersprache des Steptanz in den Blick. Was fühlt sich dabei noch an wie Steptanz, was nicht? Umgekehrt versuchen zeitgenössische Tänzer die präzise Musikalität des Steptanz umzusetzen, an typische Bewegungsmuster des Steptanz anzudocken oder auf andere Weise dem Ideal eines klingenden Tanzes näher zu kommen. Was lässt sich von diesen Ideen auf Steptanz zurückübertragen?

WORKSHOPS

All diese Ansätze sollen sich in meiner neuen CABOOM COMPANY und in einer Serie modulhaft verschachtelter Workshops und Residenzen voll entfalten. Einige der Workshops sind öffentlich, andere finden „in geschlossener Gesellschaft“ der neuen Company statt.

Unter den öffentlichen Workshops sind zwei, in denen man besonders intensiv am choreographischen Prozess teilhaben kann: vom 3. bis 8. April finden in Guillem Alonsos Casa Luthier in Barcelona eine „advanced“ und eine „intermediate residency“ statt. Während es im Mittelstufenlevel „nur“ darum geht, die Prinzipien von CABOOM anhand einer kleinen Choreographie vorzustellen und einzuüben, werden wir im fortgeschrittenen Level eine Choreographie einstudieren, die später zur Bühnenreife entwickelt und in Barcelona gefilmt werden soll. Infos und die Möglichkeit zur Anmeldung zu diesen Workshops findet Ihr in dieser Workshop-Ausschreibung.

Ende August, Anfang September wird es dann in Anina Krügers tollem Blue Tap Studio in Berlin einen intensiven Workshop über zwei Wochenenden geben, bei dem zunächst choreographisches Material einstudiert und dann in Zusammenarbeit mit einem namhaften zeitgenössischen Tänzer verändert und weiter entwickelt wird. Hier gibt es also Gelegenheit, direkt an den Rechercheprozessen teilzuhaben und zu prüfen, wo die eigenen Grenzen und Möglichkeiten liegen! Termine und Besetzung dieses Workshops sind noch in Bewegung, werden aber bald veröffentlicht.

Es gibt weitere, etwas kleinere Workshops, in denen ich die CABOOM Methode vorstelle. Die nächste Gelegenheit ist Ende März in Heidelberg, danach wird es einen viertägigen Workshop bei den tap dance days im tanzhaus nrw geben.

AUDITION für professionelle Steptänzer

Im Rahmen des Projekts werden drei Kurzfilme und eine abendfüllende Performance entstehen, die mindestens in Leipzig, Berlin und Aschaffenburg gezeigt wird. Professionelle Steptänzerinnen und Steptänzer, die Lust auf diese Art von genreübergreifender, choreographischer Arbeit haben, sind herzlich eingeladen, dem Aufruf der Audition Notice zu folgen und uns eine kurze Bewerbung zu schicken!